|
Was
Libretto
Entstehung
Rossini
|
Unser Ansatz in Kürze
Wenn ein Konflikt, der bei einer Tragödie todsicher im Mord enden würde, in Liebe und Eheversprechen mündet, dann haben wir es wohl mit einer Komödie zu tun. Gioacchino Rossinis früher Einakter „Gelegenheit macht Diebe“ entwickelt das Happy End aus den verrücktesten Verwicklungen und Verwechslungen heraus. Und doch fußt die Oper auf einem realistischen Kern, der sie bis heute zu einer fesselnden Geschichte macht.
Die Ausgangssituation einer anonym arrangierten Ehe, deren Brautleute sich nicht kennen oder gar lieben, wirkt auf den ersten Blick anachronistisch. Auf dem Internet-Heiratsmarkt einer globalisierten Welt ist sie jedoch auch heute von ungeminderter Aktualität, denn hier spielen auch in der als zweckfrei behaupteten Welt der Liebe Staatsangehörigkeit und Wohlstand eine erhebliche Rolle.
Was in der Realität meist kein gutes Ende findet, führt Rossini im zweiten Teil der Geschichte so turbulent zu einer glücklichen Auflösung, dass es wie ein Produkt moderner Traumfabriken anmutet. Die realen gesellschaftlichen Zwänge, in denen die sechs Figuren bislang gefangen waren, lösen sich in einem skurrilen Traumgebilde aus märchenhaften Operntopoi, Versatzstücken kitschiger Hollywood-Ästhetik und Sinnbildern des schönen Lebens aus Werbeindustrie und Fernsehen auf. Parallel zu den Elementen der Traumfabriken lebt die Realitätsebene jedoch auf der Szene weiter, interagiert mit der Fantasie und stört deren vorgesehenen Ablauf, so dass zwei Geschichten zugleich erzählt werden. Die Kunstform Musikkomödie und ihr euphemistischer Umgang mit der Welt selber werden zum Thema der ästhetischen Auseinandersetzung.
|